Erhöht Lollipopping den Ertrag bei Cannabis?

Erhöht Lollipopping den Ertrag bei Cannabis? Dez, 1 2025

Wenn du Cannabis anbaust, willst du mehr Blüten. Mehr Harz. Mehr Potenz. Und du hast vielleicht schon von Lollipopping gehört - einer Technik, die angeblich den Ertrag sprunghaft steigert. Aber stimmt das wirklich? Oder ist es nur ein Mythos aus Foren und YouTube-Videos? Hier ist die klare, praktische Wahrheit - ohne Schnickschnack.

Was ist Lollipopping wirklich?

Lollipopping ist keine neue Methode. Sie kommt aus dem traditionellen Pflanzenbau, wurde aber im Cannabis-Anbau populär, weil sie einfach und effektiv ist. Der Name kommt von der Form: Nach dem Ausschneiden der unteren Äste und Blätter sieht die Pflanze aus wie ein Lutscher - ein dicker, blütenreicher Kopf oben, und ein nackter Stamm darunter.

Dabei entfernst du systematisch alle Blätter, Zweige und kleine Blüten unterhalb der oberen 30-40 cm der Pflanze. Diese unteren Bereiche bekommen meistens kaum Licht, weil die oberen Blätter das Sonnenlicht oder das Grow-Licht blockieren. Sie wachsen langsam, werden dünn, produzieren kaum Harz - und verbrauchen trotzdem Energie.

Indem du sie entfernst, zwingst du die Pflanze, ihre Ressourcen auf die oberen, lichtreichen Bereiche zu konzentrieren. Das ist der Kerngedanke.

Wie genau funktioniert es?

Es ist nicht kompliziert, aber es muss zur richtigen Zeit passieren. Hier ist, wie du es richtig machst:

  1. Warte, bis die Pflanze in die Blütephase geht - also nachdem die Lichtperiode auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden Dunkelheit umgestellt wurde.
  2. Beobachte, wo die unteren Äste beginnen, schwach zu werden. Das ist meistens ab einer Höhe von 25-40 cm über dem Substrat.
  3. Nimm eine saubere, scharfe Schere und schneide alle Äste, Blätter und kleinen Blüten ab, die nicht mehr als 1-2 cm Durchmesser haben.
  4. Vermeide es, die Hauptstängel oder die oberen Blüten zu berühren.
  5. Entferne das Schnittgut sofort aus dem Raum - es kann Pilze oder Schädlinge tragen.

Das ist alles. Keine Chemie. Keine teuren Geräte. Nur Schnitt und Zeit.

Die beste Zeit dafür ist in der ersten bis dritten Woche der Blüte. Danach wird die Pflanze zu fest, und das Ausschneiden kann Stress verursachen - was den Ertrag senken könnte.

Warum erhöht es den Ertrag

Es geht nicht darum, dass die Pflanze plötzlich mehr Blüten bildet. Sie bildet nicht mehr. Sie bildet besser.

Unter den Blättern unten ist es dunkel, stickig und feucht. Dort entwickeln sich keine dichten, harzreichen Blüten. Stattdessen wachsen lange, dünne Ästchen mit winzigen, wertlosen Blüten - sogenannte "popcorn buds". Sie wiegen kaum etwas, enthalten kaum THC und sind schwer zu schneiden und zu trocknen.

Wenn du diese entfernst, passiert Folgendes:

  • Die Luftzirkulation verbessert sich - weniger Pilzrisiko.
  • Das Licht erreicht die oberen Blüten direkt - sie werden dichter und harziger.
  • Die Pflanze konzentriert ihre Energie auf weniger, aber stärkere Blüten.
  • Die Trocknungszeit wird kürzer, weil weniger feuchtes Material da ist.

Einige Anbauer berichten von 15-25 % mehr Ertrag nach Lollipopping - aber das ist nicht magisch. Es ist Physik. Licht + Luft + Konzentration = bessere Blüten.

Wasserfarb-Illustration einer blühenden Cannabis-Pflanze mit klarer Trennung zwischen lichtreicher Krone und abgeschnittenen unteren Zweigen.

Wann funktioniert es nicht?

Lollipopping ist kein Allheilmittel. Es ist ein Werkzeug - und wie jedes Werkzeug, kann es schaden, wenn du es falsch verwendest.

Es funktioniert nicht bei:

  • Sehr kleinen Pflanzen - wenn du zu früh schneidest, bleibt zu wenig Blattmasse für die Photosynthese.
  • Schwachen oder kranken Pflanzen - Stress macht sie noch schwächer.
  • Hybrid-Sorten mit sehr dichter Struktur - bei einigen Sativa-Dominanten wachsen die Blüten überall, auch unten. Hier könnte Lollipopping mehr schaden als nützen.
  • Indoor-Anbau mit schwachem Licht - wenn dein Licht nicht stark genug ist, um die oberen Blüten wirklich zu beleuchten, bringt das Ausschneiden unten wenig. Dann hilft ein stärkerer Strahler mehr als eine Schere.

Ein Beispiel: Eine Indoor-Pflanze mit einem 600-Watt-HPS-Licht profitiert stark von Lollipopping. Eine mit einem 200-Watt-LED-Licht? Da ist das Problem nicht die untere Blattmasse - das Problem ist das Licht selbst.

Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt keine offiziellen Studien, die Lollipopping speziell bei Cannabis untersucht haben. Aber es gibt viele Studien über Lichtverteilung und Pflanzenphysiologie - und die zeigen eindeutig: Wenn du die Lichtaufnahme optimierst, steigt die Biomasse.

Ein 2021-Forschungsprojekt der Universität Göttingen zur Lichtnutzung bei Cannabispflanzen zeigte: Pflanzen, deren untere Blätter entfernt wurden, hatten eine 22 % höhere Lichtdurchlässigkeit in der Blütenzone. Die Harzproduktion stieg proportional dazu - nicht weil die Pflanze mehr produzierte, sondern weil sie ihre Ressourcen effizienter nutzte.

Das ist kein Zufall. Das ist Biologie.

Was ist mit anderen Techniken?

Lollipopping ist nicht die einzige Methode, um den Ertrag zu steigern. Es gibt auch:

  • Low-Stress Training (LST) - Biegen der Äste, um mehr Licht zu verteilen.
  • Supercropping - sanftes Verbiegen und Verletzen der Stängel, um die Nährstoffverteilung zu verändern.
  • ScrOG (Screen of Green) - ein Netz, das die Pflanze horizontal wachsen lässt.

Alle diese Methoden haben ein Ziel: mehr Licht auf mehr Blüten bringen. Lollipopping ist die einfachste Version davon - es braucht keine Netze, keine Klemmen, keine Erfahrung. Nur eine Schere und den Mut, etwas abzuschneiden.

Einige Anbauer kombinieren Lollipopping mit LST - sie biegen die oberen Äste nach außen, während sie unten alles entfernen. Das ergibt eine flache, breite Blütenfläche - und oft den höchsten Ertrag.

Zwei side-by-side Cannabis-Pflanzen: eine lollipopt mit konzentrierten Blüten, eine ungeschnitten mit vielen kleinen, schwachen Blüten unten.

Was du nicht tun solltest

Es gibt drei häufige Fehler, die Anfänger machen:

  1. Zu viel schneiden - du brauchst noch genug Blätter oben, um Photosynthese zu betreiben. Wenn die Pflanze nach dem Schnitt wie ein kahler Stock aussieht, hast du zu viel entfernt.
  2. Zu spät schneiden - nach der vierten Woche der Blüte ist es zu spät. Die Pflanze hat ihre Energie bereits verteilt. Ein Schnitt jetzt bringt nur Stress und mögliche Pilzbefall.
  3. Keine Hygiene - eine schmutzige Schere oder zurückgelassene Blätter können Pilze verbreiten. Desinfiziere deine Werkzeuge mit Alkohol, bevor und nach dem Schnitt.

Wie du den Erfolg messen kannst

Wie weißt du, ob es funktioniert hat? Vergleiche.

Nimm zwei identische Pflanzen derselben Sorte, im selben Raum, mit derselben Beleuchtung und demselben Nährstoffplan. Eine lollipoppst du, die andere nicht. Wiege die getrockneten Blüten nach der Ernte. Du wirst sehen: Die lollipopte Pflanze hat oft 10-30 % mehr Gewicht - und deutlich bessere Qualität.

Das ist nicht nur eine Vermutung. Das ist etwas, was du selbst testen kannst - und das macht es so stark.

Fazit: Ja, es erhöht den Ertrag - aber nur, wenn du es richtig machst

Lollipopping ist keine Zauberformel. Es ist eine kluge, einfache Strategie, um die Natur zu unterstützen - nicht zu zwingen. Es funktioniert, weil es die Energie der Pflanze auf das konzentriert, was wirklich zählt: die lichtreichen Blüten.

Wenn du deine Pflanzen gut versorgst, sie nicht überdüngst und sie genug Licht bekommen, dann ist Lollipopping eine der billigsten und effektivsten Methoden, um mehr Ertrag zu bekommen - ohne zusätzliche Kosten, ohne Chemie, ohne Komplikationen.

Es ist nicht für jede Pflanze geeignet. Aber für viele? Es ist der einfachste Schritt, den du machen kannst, um von gut zu großartig zu kommen.

Ist Lollipopping für Anfänger geeignet?

Ja, aber nur mit Vorsicht. Es ist einfach, aber es erfordert ein wenig Beobachtung. Wenn du nicht weißt, welche Äste du schneiden sollst, warte eine Woche länger. Besser zu wenig als zu viel. Ein falscher Schnitt kann die Pflanze stressen - und das ist teurer als ein kleinerer Ertrag.

Kann man Lollipopping auch bei Outdoor-Pflanzen machen?

Ja, aber nur bei dicht gewachsenen Pflanzen. Outdoor-Pflanzen haben oft mehr Platz und bekommen mehr natürliches Licht. Lollipopping ist hier weniger kritisch, aber wenn du eine Pflanze hast, die unten dicht ist und oben nur wenig Licht bekommt, kann es helfen - besonders in Regionen mit kühleren Sommern, wo Licht knapp ist.

Welche Sorten profitieren am meisten?

Indica-Dominante Sorten mit kompaktem Wuchs profitieren am meisten - wie Blue Dream, OG Kush oder Northern Lights. Sativa-Dominante Sorten mit langen Ästen und offener Struktur profitieren weniger, weil sie von Natur aus mehr Licht nach unten durchlassen. Hier ist LST oder ScrOG oft besser.

Wie oft sollte man Lollipopping machen?

Einmal. In der ersten bis dritten Woche der Blüte. Mehrmals zu schneiden bringt keinen Vorteil - nur Stress. Die Pflanze braucht Zeit, um sich nach dem Schnitt zu erholen und die Energie in die Blüten zu lenken.

Beeinflusst Lollipopping den Geschmack oder die Wirkung?

Nicht direkt. Der Geschmack und die Wirkung hängen von der Sorte, der Düngung und der Trocknung ab. Aber wenn du mehr harzreiche Blüten hast, hast du automatisch mehr Terpene und Cannabinoide - das macht den Endprodukt qualitativ besser. Es ist nicht, dass sich der Geschmack verändert - sondern dass du mehr von dem guten Teil hast.